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Leben nach der Amputation eines Beines

Autor: Leander Kress

Ich bin Leander, komme aus der Nähe von Augsburg und bin 20 Jahre alt. Als ich sieben Jahre alt war, wurde in meinem rechten Oberschenkel Knochenkrebs diagnostiziert. Kurz darauf wurde das Bein amputiert und ich musste das Laufen neu erlernen. Doch das war mir nicht genug: ich wollte trotz Amputation auch Sport machen können und lernte das Skifahren auf einem Bein. Seit zwei Jahren bin ich in der deutschen Nationalmannschaft und leg alles im Leben auf den Sport aus.

Laufen lernen nach der Chemotherapie

Während den letzten Einheiten der eineinhalb-jährigen Chemotherapie durfte ich allmählich das amputierte Bein belasten. Mit Hilfe der Krankenhaus-Physiotherapie machte ich viele Übungen, um die Koordination neu zu erlernen und mich körperlich auf meine erste Prothese vorzubereiten. Dabei lief ich mit dem amputierten Fuß über kniehohe Balken, balancierte auf wackelnden Untergründen und trainierte meine Rumpfmuskulatur. Aber auch daheim entwickelte ich spielerisch meine Fähigkeiten mit dem veränderten Körper. Oft sprang ich mit Freunden auf dem Trampolin oder lief über aufgebaute Parcours, welche mir viel Spaß bereiteten als 8-Jähriger. So konnte ich die Kraft des einzelnen Beines trainieren und alle wichtigen Vorrausetzungen für die Prothese schaffen.

Etwa vier Monate nach der Amputation war mein Stumpf und die neu verknüpften Knochen bereit für die erste Prothese. Ein großer Vorteil für mich ist, dass in Augsburg das Sanitätshaus Ganter ist. Dort sind sehr gute Orthopädiemechaniker, die sich in Sachen Prothetik bestens auskennen. Denn das Bauen und Anpassen einer Prothese für meine Stumpfart (Umkehrplastik; siehe Artikel „Diagnose Krebs“) gestaltet sich schwer. 

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Die ersten Schritte mit der Prothese waren sehr wacklig. Es benötigte viele Reha-Einheiten mit Physiotherapeuten, bis ich ein schönes Gangbild hatte. Damals hatte ich eine junge Frau als Vorbild, die etwa zwei Jahre vor mir dieselbe Amputation hatte und mit der Prothese in High Heels laufen konnte. Ihr Gangbild war so perfekt und ihre Prothese sah fast aus, wie ein echtes Bein, sodass man auf den ersten Blick überhaupt keine Behinderung feststellen konnte.

 

10.000 € für die Prothese

 Eine normale Alltagsprothese kostet in etwa 10.000 €. Grundsätzlich wird diese – anders, wie die Sportprothese – von der Krankenkasse bezahlt. Sofern der Abstand von neuen Prothesen mindestens circa 1,5 Jahre beträgt. Um in die Prothese zu „schlupfen“, zieh ich einen speziellen Baumwollsocken für Prothesen an. Dieser kostet pro Stück 15€. Die Krankenkasse bezahlt zu einer neuen Prothese drei Socken zusätzlich, jedoch reicht das lange nicht für einen normalen Gebrauch aus. Die Socken haben einen recht hohen Verschleiß, da sie nicht sehr stabil sind. Schätzungsweise benutze ich einen Socken etwa einen Monat, dann ist er durchlöchert und kann beim Tragen und vor allem beim Gehen von längeren Strecken schnell Schmerzen verursachen. Bei drei Socken müsste man genauso jeden bzw. jeden zweiten Tag diese waschen, denn sie riechen nicht gerade angenehm am Ende eines Tages. Deshalb muss ich auf eigene Kosten alle 2-3 Monate neue Socken kaufen. Reparaturen an der Prothese werden bezahlt, jedoch nur in größeren Zeitabständen. Falls zwei Reparaturen in kürzester Zeit anfallen, müssen die Kosten ebenso privat getragen werden.

Als ich in der Pubertät viel gewachsen bin, benötigte ich im Alter von 14-16 Jahren sogar alle sechs Monate eine neue Prothese. Die Krankenkasse kontaktierte bei jedem neuen Antrag meine Eltern an, da sie die Begründung „Wachstum“ nicht verstanden oder akzeptierten. Der Gutachter der Krankenkasse fragte am Telefon wortwörtlich „Warum wächst ihr Kind?“. Diese Schikanen mussten meine Eltern auf sich nehmen und dennoch höflich darauf antworten, damit ich meine Prothesen erhielt. Denn ohne meine Gehhilfen könnte ich nicht meinen Alltag meistern, wie jeder andere Mensch.